Habe ich ja schon 1983 gesagt:

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Wie man eine Sehnenoperation übersteht und trotzdem online bleibt

Kurz vor Weihnachten 2009 hatte ich im Haushalt einen Sturz auf die rechte Schulter. Mir war damals noch nicht klar, dass ich damit die nächsten drei Monate zu tun hätte. Auf dieser Seite habe ich meine Erfahrungen zusammengestellt, wie man trotz einer Sehnenoperation und zweimonatigen Ausfall der rechten Hand sein elektronisches Leben organisiert bekommt.

Der Vorfall

Im Haushalt passieren die schlimmsten Unfälle, sagt man immer. Und siehe da: es stimmt! Einmal kurz nicht richtig auf den Boden geschaut und schon kommt man ins Rutschen und kann wenig dagegen tun, guten Tag zum Bodenbelag zu sagen. Ich selber landete an jenem Abend auf der rechten Schulter und war eigentlich froh, nicht mit dem Kopf gegen einen Türrahmen geprallt zu sein. Es tat recht weh, nachdem der Schmerz nachgelassen hatte konnte ich meinen rechten Arm nicht so richtig heben. In den nächsten Tagen leider auch nicht. Zwei Tage vor dem Schiurlaubgeht man aber natürlich nicht zum Arzt! Nach dem Schiurlaub tat ich dies mit dem Ergebnis dass eventuell eine Sehne abgerissen sei.

Nach dem Silvesterurlaub würde man mir einen Termin im Krankenhaus besorgen. Weiterhin stand im Raum dass ich nach einer Operation sechs Wochen lang meinen rechten Arm nicht benutzen könnte. In Aussicht stand also, keine E-Mails schreiben, keine Maus benutzen, mit anderen Worten die völlige Isolation führen zwei Monate. Eine unangenehme Herausforderung!

Ich packte also mein Notebook ein und machte mich auf den Weg in das Krankenhaus. Hier sind meine Tipps wie man eine so schreckliche Zeit elektronisch überleben kann und was man dazu braucht.

Im Krankenhaus: Vernetzt bleiben

Selbstverständlich geht man nicht ohne Notebook ins Krankenhaus. Man sollte vorher seine kompletten Datenbestände dort hinauf kopieren.

Ich nutze ein Tablett-PC und habe damit schon zwei Eingabemöglichkeiten zur Verfügung. Nach zwei Tagen voller anstrengendem tippen mit einer ungeübten linken Hand wollte ich die Sprachsteuerung von Windows Vista ausprobieren und trainieren. das eingebaute Mikrofon war allerdings überhaupt nicht zu gebrauchen. Der Abstand zum Rechner ist nochmal größer, wenn man sich auf dem kleinen Nachttisch arrangieren muss. Man sollte sich also auch ein Headset mitnehmen, falls man temporär auf einer Hand verzichten muss.

Die Windows Vista Spracherkennung hat bei mir allerdings auch mit Headset nicht funktioniert. Dazu mehr weiter unten.

Man sollte selbstverständlich auch nicht ohne eigenes Netzwerk ins Krankenhaus gehen. Ein UMTS Stick sollte also in jedem Fall im Gepäck sein. Sämtliche Verbindungseinstellungen sollten vorher geklärt sein. In meinem Fall hat mein Tablett ein eingebautes Modem und ist daher eh schon immer online.

Weiterhin gehört ein Internetzugang zunehmend zur Ausstattung in Krankenhäusern. So auch bei mir-eine Anbindung über WLAN war problemlos möglich, so dass es sicherlich einige Kosten gespart habe. Zur Sicherheit hatte ich allerdings auch ein Netzwerkkabel mitgenommen-oft findet man in Hotels ja einen kabelgebundenen Zugang vor und muss dann an der Rezeption erfahren, dass es aber keine Kabel mehr dafür gibt.

Man sollte sich auch vorher schon überlegen, mit welchen Programmen man den online sein will. Mit nur einer Hand ist beispielsweise die Eingabe von URLs ausgesprochen mühsam. Also ist es sinnvoll sich vorher hinreichend viele Verknüpfungen, Bookmarks etc. zu setzen um später mit einem einfachen tippen bestimmte Adressen auszuwählen. Mehr zum Thema Barriere Freiheit siehe weiter unten

Daheim: Hardware Umgebung

Ich arbeite daheim mit einer ergonomischen Tastatur und einer ergonomischen Maus für Rechtshänder. Diese Geräte sind für Linkshänder ihre Nutzung natürlich überhaupt nicht geeignet. Zunächst die Maus: Sie ist so geformt dass sie sich in eine rechte Hand einfügt. Man kann sie mit der linken Hand gar nicht in die Hand nehmen. Selbst wenn man die linke Hand über sie legt ist das Drücken der Tasten eine sehr unnatürliche Angelegenheit. Auch die Positionierung mit der linken Hand ist für ungeübte Rechtshänder nicht sehr erfreulich.

Nach den ganz guten Erfahrungen mit dem Touchpad meines Notebooks im Krankenhaus schaute ich also nach entsprechenden externen Geräten. Ich fand das Bamboo Tablet von Wacom ganz attraktiv weil es eventuell auch später noch nützlich sein kann wie Mausbedienung mit der rechten Hand wiedergibt. Das Tablet wird in vier Versionen angeboten. In der Kombination von Stift und Touch Nutzung gibt es die normale Variante und die “Fan” Variante, die sich aber nur in der Softwareausstattung unterscheiden. ich entschied mich für das normale Pen and Touchtablet das nach zwei Tagen geliefert wurde.

Das Gerät ist recht elegant und flach. Es wird nach der üblichen Treiberinstallation über einen USB Ports angeschlossen und fungiert dann als Mausersatz. Die Tabet ist circa vier mal so groß wie bei einem normalen Notebook. Man hat die normalen Einstellungen zur Mausbeschleunigung und Geschwindigkeit sowie zur Doppelklickgeschwindigkeit. Ziehen von Objekten geschieht wie üblich durch zweimaliges Drittmittel festhalten. Das Tablet ist sehr sensibel beim kurzzeitigen absetzen des Fingers und fängt danach oft störender Weise eine neue Geste an.

Man hat weiterhin vier konfigurierbare Tasten sowie verschiedene weitere Konfigurationsoptionen durch die kleine Anwendungen auf bestimmte Stellen des Tablets gelegt werden können. Weiterhin ist das Gerät Multitouch fähig: Zoomen oder rotieren mit zwei Fingern ist also möglich. Habe ich alles aber noch nicht weiter probiert.

Die Stifteingabe habe ich bislang auch nicht ausprobiert es machte keinen Sinn mit links unleserlich zu schreiben und dann zu erwarten das die Vista Schrifterkennung das Gekritzel erkennen könnte. Ich hoffe aber darauf das ich später wie schon auf meinem Tablet PC leicht beispielsweise PDF Dokumente handschriftlich markieren kann.

Die Kombination aus akutem Nutzen als Zwangslinkshänder zur Maussteuerung und das Potenzial zur späteren Nutzung per Stift scheint mir eine sehr gute Lösung für mein Problem zu sein. Das Tablett kann übrigens für links oder für Rechtshänder konfiguriert werden, so dass es auch eine Hilfe für Linkshänder die auf den rechten Arm angewiesen sind müsste.

Kommunizieren: Spracherkennung

<Dieser Text muss noch nach Diktat durchgesehen werden>

Auf einer Notebooktastatur kann man auch mit der linken Hand halbwegs erträglich Texte langsam und kurz eingeben. Auf einer ergonomischen Tastatur wird dies erschwert da diese Geräte üblicherweise in der Mitte einen Buckel haben und man so bei jeder Taste auf der rechten Hälfte die Hand heben muss. Falls man also noch eine alte flache Tastatur parat hat sollte man besser diese anschließend.

Aber bei vielen Mails hilft auch dies nicht. Ist man sehr stark per Mail vernetzt ertrinkt man mit der Zeit natürlich in einer Nachrichtenflut die man rein physisch nicht schnell genug beantworten kann. Nahe liegend ist die Nutzung von Spracherkennung.

Windows Vista bringt eine eigene Spracherkennung mit. Sie arbeitet mit einigem Microsoft Anwendungen zusammen und muss nur kurz trainiert werden. Schon im Krankenhaus hatte ich auf meinem Vista Notebook versucht, damit ordentliche Texte zu diktieren. Dies war kaum möglich. Ich habe das zurückgeführt auf das schlechte Mikrofon im Notebook. Ich ließ mir also ein Headset mitbringen, probierte erneut, und gab erneut auf-die Qualität war zu gering.

Daheim hoffte ich darauf das mein Desktop PC mit Vista und einer besseren Raumumgebung hier besser funktionieren würde. Auch hier war die Erkennungsrate zu gering als dass man damit arbeiten konnte. Nachdem meine Situation auch eine schnelle Lösung erfordert konnte ich nicht erst einige Tage die Software trainieren. Ich schaute mich daher nach Alternativen um.

Dragon Naturally Speaking Preferred wurde in einigen Tests als ganz akzeptabel dargestellt-insgesamt gibt es vielleicht eine Hand voll von Spracherkennungslösungen für Windows. Ich bestellte die sie kommt mit einem und einer DVD. Die Software beherrscht mehrere Sprachen für mich ist eine gleich gute Unterstützung von Deutsch und Englisch richtig.

Nachdem länglichen Installieren der Software legt man einen Benutzer an und wird dabei die Sprache außen man trainiert dann circa 5 min lang durch das vorlesen vorgegebener Texte. Ich habe mir zwei Benutzer angelegt einen für deutsche Diktate und einen für englische. Die Erkennungsrate war auf war von Anfang an erstaunlich hoch. Ich konnte sofort eine E-Mail länglich beantworten. Dabei war ich nicht etwa auf bestimmte Software angewiesen. Ich konnte problemlos über ein Terminalprogramm in mein Text basiert das Unix Mail Programm (Nord) diktieren. In ähnlicher Weise überraschend gut verliefen die ersten Schritte mit englischer Sprache.

Ich bin von DragonDictate ausgesprochen begeistert. Es hat auf Anhieb mein Problem komplett gelöst. Meine Mails waren trotz kleiner seltener Erkennungsfehler komplett für meine Kommunikationspartner verständlich. Die liegt Hiergeschwindigkeit in DragonDictate ist ebenfalls überraschend gut -ich spreche wahrscheinlich immer noch langsamer als es notwendig wäre.

Ich könnte mir auch vorstellen, später die Software weiter zu verwenden um zunehmend Texte radikal zu erfassen. Die reine Schreibzeit ist für jemanden der ein Zehnfingersystem beherrscht durch die Spracherkennung geringer. Hinzu kommt eine zusätzliche Durchsicht zur Korrektur und ein gewisser Umstand beim Wechsel zwischen Tastaturmaus und Sprachsteuerung.

Accessibility/Barrierefreiheit

<Weitere Erfahrungen mit Web und Mail folgen>

Die erste Ernüchterng trifft einen daheim: Die Anmeldung bei Windows ist der nach Drücken von CTRL-ALT-DELETE möglich… Das soll mal jemand mit einer Hand hinbekommen! Als nach umständlichen Experimenten erstmal in den Einstellungen/Systemsteuerung/TODO auswählen, dass man eben nicht CTRL-ALT-DELETE vor der Anmeldung drücken muss. Eigentlich sollte man das natürlich vor einer OP machen…



Analog

Daneben gibt es in der realen Welt natürlich noch weitere notwendige Hilfsmittel wie ein zweites Abduktionkissen mzum duschen kann oder Schuhe mit Reißverschluss, die man mit einer Hand schließen kann. Und natürlich Personen die einem helfen! falls der Rest der Familie mal in einen Kurzurlaub fährt sind Lieferdienste sehr praktisch. Kaiser’s Lieferdienst ist für Berlin und München sehr gut, abends in Ruhe online auswählen und am nächsten Tag zwischen 13 und 17h geliefert bekommen für nur 5 EUR. Im Angebot gibt es auch hinreichend Bioprodukte, so dass man wirklich gut damit überleben kann. Damit man dort online Lebensmittel zur Lieferung bestellen kann muss man natürlich entsprechend einem Rechner nutzen können, siehe oben.

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